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Knut
Hüneke
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24.06. - 16. 07. 17,
In Serie, Ausstellungsbeteiligung im Forum Kunst Heidelberg, Vernissage: 23.06.17, 20 Uhr

Zeichnungen und Werkskizzen

Zeichnung, Steinzeichnung, Skulptur

Zeichen, Linien, Skizzen, Kerben, Ritzungen sind die ältesten Zeugnisse menschlichen Gestaltungswillens. Zwischen ihnen bis zur vollplastisch ausgebildeten Monumentalskulptur aus Hartgestein lag ein Entwicklungsprozess von Jahrtausenden. Dennoch sind die Statuen Altägyptens ohne die Skizzen nicht denkbar. So lassen sich an unvollendeten Werkstücken noch heute Linien aus Ocker - mit feinem Pinselstrich gezogen - ausmachen.
Sie gehen dem folgenden Gestaltungsvorgang voraus, kennzeichnen die Grenzen, bis zu denen der weitere Masseabtrag erfolgen muss. Schon im Steinbruch wurde der Aufriss der Figur in den anstehenden Fels geritzt. Dimensionen und Proportionen wurden dadurch festgelegt; der Rohblock dann in der gewünschten Größe durch Eintiefen von Gräben überhaupt erst gewonnen.
Werkstücke, die bereits in diesem frühen Stadium verworfen wurden, lassen sich auch in der Gegenwart am Entstehungsort finden.
Ich beschreibe dies, weil sich die Vorgehensweise der heutigen Steinbildhauerei nicht grundsätzlich von den überkommenen Methoden unterscheidet.

Die Techniken und Werkzeuge für die Steinbearbeitung mögen sich verändert haben, aber noch immer wird ein Aufriss auf die Gesteinsoberfläche gezeichnet und dann alles über dem Riss anstehende Material abgetragen. Schritt für Schritt wird sich langsam von allen Seiten in die Dreidimensionale vorgearbeitet. Hier machen sich dann auch Unterschiede in der Konzeption bemerkbar. War bisher vom Block die Rede, nach Möglichkeit auf die geplante Figur zugeschnitten, so gehe ich vom vorgefundenen Felsen aus, der keiner regelmäßigen Geometrie folgt. Er bestimmt in Form und Abmessungen die Skulptur. Zusammen mit meinen Gestaltungsprinzipien gehen wir eine Synthese ein, die jene Steinwesen zum Ergebnis hat, welche mir seit einiger Zeit entgegentreten. Werkskizzen, die fast immer vor und während des Entstehungsprozesses angefertigt werden, haben den Zweck, den Stein gläsern zu machen, ihn zu röntgen und ihn in seinen Massen zu klären. Fortlaufend werden auch Linien direkt auf den Stein gezeichnet. Diese bilden Markierungslinien für zukünftige Kanten. Auf diese Weise entsteht langsam eine dreidimensionale Zeichnung, eine Steinzeichnung.

Es hat sich als sinnvoll erwiesen, die mit dem Sprengeisen geschlagenen Kanten und die mit der Diamantscheibe gezogenen Kerben ohne Nachbearbeitung stehen zu lassen, um explizit die materialspezifischen Eigenschaften des Steins hervortreten zu lassen.

Wo immer es mir möglich ist, lasse ich die Oberflächen der Ausgangsform unbearbeitet, um ihre Farbe und Textur mit jenen der bearbeiteten Flächen zu kontrastieren. Durch diesen mir eigenen Gestaltungsweg bleibt die Ursprungsform des Felsens immer erkennbar und ich folge meinem Prinzip: Soviel Stein wie möglich und soviel Figur wie nötig.

Knut Hüneke, den 25.Okt. 2006